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Neurokognitives Training für Sportler: Warum Reaktion im Kopf beginnt

Autorenbild: Matthias Kranz
Matthias Kranz
vor 4 Tagen
4 Min. Lesezeit

Ein Handballer springt ab, wird im Flug leicht berührt, landet unsauber und hält sich das Knie. Kein Zweikampf, kein Foul, einfach eine Landung, die schiefging. Fast jeder Sportler kennt solche Szenen. Die Frage, die danach selten gestellt wird: Lag es am Knie, oder kam die Information zu spät im Kopf an?

Die kurze Antwort: Jede Bewegung im Sport beginnt mit Sehen und Entscheiden. Wer schneller wahrnimmt und entscheidet, hat mehr Zeit für eine saubere Bewegung. Neurokognitives Training trainiert genau dieses Zusammenspiel, statt Kopf und Körper getrennt zu behandeln.

Neurokognitives Training am SkillCourt in der Physiotherapie Matthias Kranz in Minden
Am SkillCourt: reagieren, entscheiden und bewegen, gemessen mit 3D-Kamera und Lasertechnik

Was neurokognitives Training ist

Neurokognitiv heißt, dass Nervensystem und Denken beteiligt sind. Im Training bedeutet das: Du reagierst auf Signale, die du nicht vorhersehen kannst, triffst unter Zeitdruck Entscheidungen und bewegst dich dabei. Links oder rechts, rot oder blau, jetzt oder gleich.

Klassisches Athletiktraining arbeitet meist mit geplanten Bewegungen. Du weißt, wann der Sprung kommt, wohin der Richtungswechsel geht und wie oft du wiederholst. Im Spiel weißt du das nie. Genau diese Lücke schließt neurokognitives Training.

Warum der Kopf bei Verletzungen mitspielt

Viele schwere Knieverletzungen passieren ohne Gegnerkontakt, bei Landungen, Stopps und Richtungswechseln. Oft sind das Momente, in denen die Aufmerksamkeit woanders ist: beim Ball, beim Gegenspieler, bei der nächsten Aktion.

Eine Studie mit College-Sportlern aus den USA hat dazu etwas Bemerkenswertes gezeigt: Sportler, die sich später ohne Fremdeinwirkung das Kreuzband rissen, hatten schon vorher in Tests zu Reaktionszeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit und visuellem Gedächtnis schlechter abgeschnitten als ihre Mitspieler (Swanik 2007, American Journal of Sports Medicine). Das heißt nicht, dass langsame Reaktion allein Verletzungen auslöst. Aber es deutet darauf hin, dass der Kopf ein Teil der Rechnung ist.

Die Erklärung dahinter ist einleuchtend. Kommt eine Information zu spät an, muss der Körper die fehlende Zeit ausgleichen: mit einem hektischen Ausweichschritt, einer steifen Landung, einem Knie, das nach innen kippt. Diese Ausgleichsbewegungen erhöhen die Belastung auf Gelenke und Bänder.

Warum ein Test ohne Ablenkung zu gut aussieht

Nach einer Verletzung wird meist in ruhiger Umgebung getestet. Du weißt, welcher Sprung kommt, und kannst dich voll darauf konzentrieren. Viele Sportler bestehen solche Tests sauber.

Im Spiel teilt sich die Aufmerksamkeit aber auf. Sobald zusätzlich eine Entscheidung gefragt ist, verschlechtert sich bei vielen die Bewegungsqualität, gerade nach einer Kreuzband-OP. Ein Test ohne Denkaufgabe kann deshalb zu gut aussehen. Für die Rückkehr in den Sport prüfen wir beides: wie du dich bewegst, wenn du dich darauf konzentrieren kannst, und wie du dich bewegst, wenn dein Kopf zusätzlich gefordert ist. Mehr dazu in Woran merke ich, dass mein Knie wieder belastbar ist.

Was das für deine Leistung bedeutet

Auch ohne Verletzung lohnt sich der Blick auf den Kopf. Wer ein paar Hundertstel früher erkennt, wohin der Ball geht, ist früher dort, muss weniger sprinten und kommt seltener in Situationen, in denen nur noch eine Notbewegung hilft. Im Profisport gehört Reaktions- und Entscheidungstraining deshalb längst dazu. Mit dem SkillCourt arbeiten wir mit demselben Prinzip.

Warum Reaktionsspiele am Handy nicht reichen

Reaktionsspiele auf dem Bildschirm machen dich vor allem in einem besser: im Reaktionsspiel auf dem Bildschirm. Studien zu Gehirntrainings-Apps zeigen, dass sich die Verbesserung kaum auf andere Aufgaben überträgt. Im Sport brauchst du die Verbindung von Auge und ganzem Körper: sehen, entscheiden, abbremsen, umlenken, springen. Das lässt sich nur im Stehen und in Bewegung trainieren.

Wie das Training bei uns aussieht

Auf dem SkillCourt erscheinen Signale am Boden, eine 3D-Kamera und Lasertechnik erfassen jede deiner Bewegungen. Typische Aufgaben:

  • Star Run: Richtungswechsel zu Feldern, die zufällig aufleuchten, du weißt nie, wohin es als Nächstes geht

  • Stabilität auf einem Bein: Gleichgewicht halten, während Aufgaben dazukommen

  • Sprünge und Landungen: ein- und beidbeinig, seitlich, mit vorgegebenem Muster

  • Sortieren und Merken: Felder nach Farbe oder Zahl ansteuern, Abfolgen behalten

  • Doppelaufgaben: bewegen und gleichzeitig eine Denkaufgabe lösen

Weil die Messung immer gleich abläuft, sind die Ergebnisse von Termin zu Termin vergleichbar. Du siehst, ob deine Reaktionszeit sinkt, ob eine Seite hinterherhinkt und ob deine Bewegung unter Druck stabil bleibt.

Deine Auswertung

Für Sportler verbinden wir den SkillCourt mit Kraftmessung und 3D-Körperanalyse zu einer kompletten Leistungsdiagnostik. Am Ende bekommst du eine Auswertung, die du auch ohne Fachwissen verstehst: Kennzahlen und Einordnung auf einen Blick, unsere Empfehlung, alle Ergebnisse im Seitenvergleich, eine Defizitanalyse und ein Übungsprogramm, das genau an deinen Schwachstellen ansetzt. Nach 8 bis 12 Wochen messen wir mit denselben Tests erneut. Wie das aussieht, zeigt unsere Musterauswertung mit fiktiven Daten (PDF).

Die Leistungsdiagnostik kannst du bei uns über einen zertifizierten Präventionskurs nach § 20 SGB V abschließen, den viele gesetzliche Krankenkassen bezuschussen. Ob und in welcher Höhe sich deine Kasse beteiligt, klärst du am besten vorher direkt mit ihr. Ein Musteranschreiben bekommst du bei uns.

Für wen sich das lohnt

  • Sportler nach Kreuzbandriss, Sprunggelenk- oder Muskelverletzung vor der Rückkehr ins Training

  • Sportler, die immer wieder umknicken oder dieselbe Verletzung zum zweiten Mal haben

  • Mannschafts- und Rückschlagsportler, die schneller entscheiden wollen

  • Nachwuchssportler, bei denen Reaktion und Koordination früh mitwachsen sollen

  • Mannschaften, die ihre Spieler regelmäßig screenen wollen, mit einer anonymisierten Mannschaftsauswertung für das Trainerteam

Was wir dafür im Haus haben

Wie du anfängst

Am Anfang steht ein kostenfreies Erstgespräch von 45 Minuten mit Untersuchung und 3D-Körperanalyse. Dabei klären wir, was du erreichen willst und welche Messungen dafür sinnvoll sind. Danach besprechen wir Umfang und Kosten. Deinen Termin bekommst du über Doctolib oder per WhatsApp. Beide Standorte in Minden, Kutenhauser Straße und Stiftsallee, haben einen SkillCourt.

Alle Aussagen sind Einschätzungen aus unserem Praxisalltag und ersetzen keine individuelle Untersuchung.

 
 
 

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