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Ist es normal, dass es nach der Physiotherapie wehtut?

Autorenbild: Matthias Kranz
Matthias Kranz
vor 5 Stunden
4 Min. Lesezeit

Die Behandlung war gut, du bist mit einem leichteren Gefühl nach Hause gegangen. Am Abend zieht es dann an genau der Stelle, an der gearbeitet wurde, oder du wachst am nächsten Morgen mit Muskelkater auf. Und sofort ist die Frage da: Haben wir etwas falsch gemacht?

Die kurze Antwort: Ja, das kann normal sein. Eine Erstverschlechterung nach einer Behandlung ist nichts Außergewöhnliches und kann bis zu zwei Tage anhalten, vor allem wenn eine Struktur schon lange gereizt war. Danach sollte es spürbar besser werden. Hält sie länger an oder kommen neue Beschwerden dazu, sag uns Bescheid, dann passen wir an.

Trainingsraum der Physiotherapie Matthias Kranz in Minden
Vor und nach jeder Behandlung testen wir, was sich verändert hat.

Warum es nach einer Behandlung kurz mehr wehtun kann

Wir erklären das gern mit einem Splitter. Zieht man ihn heraus, ist die Ursache weg, aber die Wunde braucht noch Zeit, um zu heilen. War der Splitter nur kurz drin, geht das schnell. War er lange drin, tief und schon entzündet, dauert es länger. Genauso ist es bei einer gelösten Blockade oder einer behandelten Sehne: Die Ursache ist beseitigt, der Reizzustand im Gewebe braucht aber noch ein wenig, bis er abgeklungen ist.

Eine Entzündung ist dabei nichts Schlechtes. Sie ist die erste Phase der Wundheilung, mit der der Körper aufräumt und repariert, und sie dauert normalerweise nur wenige Tage. Bleibt sie länger oder kommt sie immer wieder, hat das einen Grund, und den suchen wir.

Dazu kommt: Manche Behandlungen setzen bewusst einen Reiz. Eine Stoßwelle zum Beispiel stößt im Gewebe eine Heilungsreaktion an, und die kann man spüren. Und wer neu mit Training beginnt, kann Muskelkater bekommen. Das ist eine normale Anpassung, kein Schaden.

Wie lange darf eine Erstverschlechterung dauern?

Bis zu zwei Tage sind nichts Außergewöhnliches, besonders wenn eine Struktur schon lange gereizt war oder in der Behandlung viel gelöst wurde. Danach sollte es spürbar besser werden. Hält die Verschlechterung länger an, wird sie stärker statt schwächer oder kommen neue Beschwerden dazu, melde dich, dann schauen wir genauer hin.

Normal oder nicht? Woran du den Unterschied erkennst

Eher normal:

  • ein dumpfes Ziehen oder Muskelkater dort, wo behandelt oder trainiert wurde

  • es wird bei leichter Bewegung eher besser als schlechter

  • nach spätestens zwei Tagen wird es spürbar besser

Eher nicht normal:

  • ein stechender, scharfer Schmerz, der vorher nicht da war

  • ein neues Ausstrahlen in Arm oder Bein, Kribbeln oder Taubheit

  • Schwellung, Rötung oder Überwärmung

  • Schmerzen in Ruhe oder in der Nacht

  • nach zwei Tagen noch nicht besser oder sogar stärker

Schmerz ist ein Signal, kein Schaden

Schmerz nach einer Behandlung heißt nicht, dass etwas kaputtgegangen ist. Oft ist er einfach die Antwort des Gewebes auf den Reiz, den die Behandlung gesetzt hat. Für uns ist er eine wichtige Information, keine Katastrophe. Deshalb wollen wir davon hören und nicht, dass du ihn still aushältst.

Was wir nach jedem Termin prüfen

Jede Behandlung beginnt bei uns mit einem kurzen Test und endet mit demselben Test. So sehen wir, ob sich die behandelte Struktur verändert hat und ob sich dein Schmerz bei der Bewegung, die vorher wehgetan hat, verbessert hat.

Beim nächsten Termin fragen wir zuerst: Wie ging es dir nach der letzten Behandlung, und was hat sich seitdem verändert? Deine Antwort entscheidet, wie es weitergeht:

  • Es wurde besser und hält: Wir sind auf dem richtigen Weg.

  • Es war besser, aber nur bis zum nächsten Tag: Das kann ein Ausreißer sein, etwa weil am selben Abend etwas die Struktur wieder gereizt hat. Wir behandeln dieselbe Stelle noch einmal. Passiert es ein zweites Mal, suchen wir nach dem Grund, warum das Problem immer wiederkommt.

  • Die Struktur bewegt sich besser, aber dein Schmerz ist gleich: Dann war diese Stelle nicht die Ursache, und wir verfolgen die nächste Spur.

Für uns gilt nach jedem Termin eine feste Regel: Entweder es geht dir besser, oder wir wissen danach mehr als vorher. Trifft beides nicht zu, schauen mehrere Therapeuten gemeinsam auf deinen Fall.

Wie viel Schmerz beim Training in Ordnung ist

Beim Training gilt etwas anderes als nach einer Behandlung. Ein leichter, gut erträglicher Schmerz während einer Übung kann in Ordnung sein. Wird er dabei deutlich stärker, hör auf und sag es uns. Leichte Beschwerden ein, zwei Tage nach dem Training sind normal, denn jedes Training setzt bewusst einen Reiz. Ist es am nächsten Tag oder in den Tagen danach aber deutlich schlimmer als vorher, war die Intensität zu hoch. Dann gehen wir eine Stufe zurück, statt dich durchbeißen zu lassen.

Bei einem gereizten Gelenk, etwa bei Arthrose, kann es am Anfang eines Trainings kurzfristig sogar etwas mehr wehtun, bevor es besser wird. Das besprechen wir vorher mit dir, damit du nicht nach drei Einheiten aufhörst.

Was du nach der Behandlung tun kannst

  • Merke dir, wie es war, am Abend und am nächsten Morgen. Diese Information ist für den nächsten Termin Gold wert.

  • Überleg, was du am selben Tag gemacht hast. Eine lange Autofahrt oder ein Umzug am Abend kann eine Reaktion erklären.

  • Bleib in leichter Bewegung, statt dich komplett zu schonen.

  • Melde dich, wenn du unsicher bist, zum Beispiel per WhatsApp an deinen Standort. Lieber einmal zu früh als zu spät.

Wann du dich sofort melden oder zum Arzt solltest

  • Lähmungen, Taubheit oder ein deutlicher Kraftverlust

  • starke Schwellung, Rötung, Überwärmung oder Fieber

  • eine dicke, warme und schmerzende Wade

  • starker Ruheschmerz oder Schmerzen in der Nacht, die sich in keiner Lage bessern

  • nach einer Behandlung am Rücken: neue Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang oder Taubheit zwischen den Beinen. Dann sofort zum Arzt, notfalls in die Notaufnahme.

  • nach einer Behandlung am Nacken: Schwindel mit Seh- oder Sprachstörungen oder ein plötzlicher, sehr starker Kopfschmerz. Dann sofort den Notruf 112.

Wenn es nach mehreren Terminen nicht besser wird

Dann benennen wir das offen, am Test und nicht am Gefühl. Ist der Test seit zwei Terminen gleich, heißt das, dass unsere Annahme wahrscheinlich falsch ist, nicht, dass du nicht behandelbar bist. Wir erklären dir, was wir daraus gelernt haben und welchen Weg wir als Nächstes gehen. Du bist dabei Partner, nie Versuchsobjekt.

Was wir dafür im Haus haben

Deinen Termin bekommst du über Doctolib oder per WhatsApp an deinen Standort: Kutenhauser Straße oder Stiftsallee in Minden.

Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. Wie dein Körper auf die Behandlung reagiert und was das für den nächsten Schritt heißt, besprechen wir bei jedem Termin.

 
 
 

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