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Was bringt ein Antigravitationslaufband in der Reha?

Autorenbild: Matthias Kranz
Matthias Kranz
29. Sept.
3 Min. Lesezeit

Ein Antigravitationslaufband nimmt dir einen Teil deines Körpergewichts ab, während du gehst oder läufst. Du steckst bis zur Hüfte in einer luftgefüllten Kammer, der Luftdruck trägt dich, und du bestimmst in Ein-Prozent-Schritten, wie viel von deinem Gewicht auf den Beinen ankommt. Bis zu 80 Prozent Entlastung sind möglich. Das bekannteste Gerät dafür heißt AlterG.

Die kurze Antwort auf die Frage: Es bringt dir Bewegung zu einem Zeitpunkt, an dem dein Körper die volle Belastung noch nicht verträgt. Nicht mehr und nicht weniger.

Wie das Gerät funktioniert

Du ziehst eine Neoprenhose mit einem Reißverschluss an, steigst auf das Laufband und wirst mit der Kammer verbunden. Das Gerät wiegt dich, dann wird Luft in die Kammer gepumpt. Der Druck von unten hebt dich an. Bei 50 Prozent Entlastung spürt dein Knie beim Gehen nur noch die Hälfte der Last, bei 20 Prozent nur ein Fünftel.

Der Unterschied zu Krücken oder Aquajogging: Dein Gangbild bleibt normal. Du gehst aufrecht, mit Abrollen, mit Armschwung. Das ist der eigentliche Wert.

Wann es in der Reha sinnvoll ist

Nach Operationen und Verletzungen gibt es eine Phase, in der Gehen erlaubt, aber nur mit Teilbelastung. Klassisch sind das Krücken und die Anweisung „maximal 20 Kilo". Kaum jemand hält das ein, und kaum jemand geht damit sauber.

Auf dem Antigravitationslaufband gehst du mit exakt der Last, die freigegeben ist, und zwar mit normalem Bewegungsmuster. Typische Situationen:

  • nach Kreuzband-OP, Meniskusnaht oder Knorpeltherapie am Knie

  • nach Sprunggelenk-OP oder Syndesmosenverletzung

  • nach Frakturen der unteren Extremität

  • bei Stressreaktionen und Ermüdungsbrüchen

  • nach Hüft- oder Knieprothese, sobald der Operateur Bewegung freigibt

  • bei Achillessehnen- und Patellasehnenbeschwerden, wenn Laufen mit voller Last noch zu viel ist

Was es konkret verändert

Schonhaltung wird gar nicht erst gelernt. Wer wochenlang hinkt, nimmt das Hinken mit, auch wenn das Gelenk längst wieder trägt. Auf dem Band gehst du von Anfang an symmetrisch.

Muskeln bleiben im Spiel. Der Muskelabbau nach einer OP beginnt in den ersten Tagen. Wer früh unter Teilbelastung geht, verliert weniger.

Ausdauer bleibt erhalten. Ein verletzter Läufer oder Handballer kann auf dem Band laufen, bevor er auf dem Boden laufen darf. Das Herz-Kreislauf-System bleibt trainiert, die Rückkehr wird kürzer.

Die Dosis ist steuerbar. Wir können die Last Woche für Woche um wenige Prozent erhöhen und sehen sofort, ob das Gelenk es verträgt.

Was es nicht kann

Das Gerät macht keine Therapie. Es macht eine Belastungsstufe möglich, die es ohne das Gerät nicht gäbe. Was du damit anfängst, entscheidet die Planung drumherum.

Es ersetzt keine Kraft. Wer nur auf dem Band geht und nicht parallel die Muskulatur aufbaut, kommt am Ende der Entlastung an einem Punkt an, an dem das Gelenk trägt, die Muskeln aber nicht.

Es ersetzt keine Diagnostik. Ob dein Knie 40 oder 70 Prozent Last verträgt, sagt dir nicht das Band, sondern die Untersuchung vorher und die Reaktion danach.

Und es beantwortet nicht die Frage, warum du verletzt bist. Ein Ermüdungsbruch hat eine Ursache in der Belastung oder im Bewegungsmuster. Wer nur die Entlastung nutzt und die Ursache nicht sucht, kommt wieder.

Wie eine Einheit bei uns abläuft

Vor der ersten Einheit steht die Untersuchung: Welche Last ist freigegeben, wie sieht das Gangbild aus, wo sind Kraftdefizite im Seitenvergleich. Daraus ergibt sich die Startlast.

Eine Einheit dauert in der Regel 15 bis 25 Minuten auf dem Band, eingebettet in eine 45-minütige Behandlung mit Krafttraining, Manueller Therapie oder Koordination. Wir erhöhen die Last, wenn drei Dinge stimmen: keine Schwellung am nächsten Tag, kein Schmerz, sauberes Gangbild in der Kamera.

Woran du merkst, dass es wirkt

Nicht daran, dass es sich gut anfühlt. Auf dem Band fühlt sich fast alles gut an, das ist der Sinn der Sache. Es wirkt, wenn du auf dem Boden Fortschritte machst: weniger Hinken, längere Strecken, weniger Reaktion am Tag danach.

Für wen es nichts ist

Wer bereits voll belasten darf und keine Schmerzen beim Gehen hat, braucht das Band nicht. Dann ist Training auf dem Boden die bessere Wahl. Bei akuten Entzündungen, offenen Wunden am Bein oder wenn der Operateur Bewegung noch untersagt hat, warten wir.

Was wir dafür im Haus haben

Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. Ob und wann ein Antigravitationslaufband in deiner Reha sinnvoll ist, klären wir im Erstgespräch und mit deinem Operateur.

 
 
 

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