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Wo tut dein Knie weh? Was der Ort über die Ursache verrät

Autorenbild: Matthias Kranz
Matthias Kranz
vor 20 Stunden
4 Min. Lesezeit

„Wo genau tut es weh?“ Das ist eine der ersten Fragen, die wir bei Knieschmerzen stellen. Der Ort verrät viel darüber, welche Struktur gereizt ist: die Kniescheibe, eine Sehne, ein Schleimbeutel, der Meniskus oder ein Band. Er verrät aber selten, warum sie gereizt ist.

Die kurze Antwort: Schmerz vorne und hinter der Kniescheibe kommt häufig vom Gleitlager der Kniescheibe, direkt unter der Kniescheibe oft von der Patellasehne, außen beim Laufen häufig vom Tractus iliotibialis, innen unterhalb des Gelenks oft von den Sehnenansätzen am Schienbein und in der Kniekehle nicht selten von einer Bakerzyste. Die Ursache sitzt aber meistens nicht im Knie selbst, sondern in Hüfte, Becken, Sprunggelenk oder Beinachse. Das Knie ist oft das Opfer, nicht der Täter.

Untersuchung des Knies, Physiotherapie Matthias Kranz in Minden
Wir untersuchen das Knie und genauso Hüfte, Sprunggelenk und Beinachse.

Vorne und hinter der Kniescheibe

Typisch ist ein dumpfer Druck rund um oder hinter der Kniescheibe. Er kommt beim Treppabgehen, beim Hocken, beim Bergablaufen und nach langem Sitzen, etwa im Kino oder im Auto. Oft sind beide Knie betroffen. Dahinter steckt häufig ein patellofemorales Schmerzsyndrom: Die Kniescheibe läuft in ihrem Gleitlager nicht ganz mittig, weil Hüfte, Sprunggelenk und Beinachse sie nicht gut führen. Im MRT ist oft wenig zu sehen, was den Schmerz nicht weniger echt macht.

Kommen ein Reiben oder Schleifen beim Beugen und eine Schwellneigung nach Belastung dazu, kann der Knorpel hinter der Kniescheibe schon verändert sein. Auch dann gilt: Der Grad im Befund sagt wenig darüber, wie stark es wehtut. Sticht es dagegen nur bei bestimmten Bewegungen vorne innen und schnappt dabei etwas, kann eine gereizte Schleimhautfalte im Gelenk dahinterstecken.

Direkt unter oder über der Kniescheibe

Sitzt der Schmerz genau an der unteren Spitze der Kniescheibe und kommt er beim Springen, Landen, Abstoppen, Sprinten und Treppabgehen, ist oft die Patellasehne überlastet (Patellaspitzensyndrom, auch Springerknie oder Jumper's Knee). Typisch: Zu Beginn der Belastung tut es weh, zwischendurch wird es besser, am Abend oder am nächsten Tag kommt die Quittung.

Ein ähnliches Muster oberhalb der Kniescheibe, das bei tiefen Kniebeugen und beim Abbremsen zunimmt, spricht eher für die Quadrizepssehne. Tut es dagegen oberflächlich weh, ist die Stelle geschwollen und schmerzt beim Knien, kann ein gereizter Schleimbeutel vor oder unter der Kniescheibe die Ursache sein.

Außen am Knie

Brennt oder sticht es außen am Knie nach einer bestimmten Zeit beim Laufen, besonders bergab, und wird es in Ruhe schnell besser, ist das typisch für das Läuferknie. Gereizt ist dann der Tractus iliotibialis, ein fester Faserstreifen an der Außenseite des Oberschenkels. Der Schmerz kommt zuverlässig und zwingt dich irgendwann zum Abbrechen. Dehnen bringt hier wenig, denn das Band ist nicht zu kurz. Ihm fehlt die Führung durch Hüfte und Becken, also entlasten wir es über diese Kette.

Innen am Knie

Innen gibt es drei häufige Muster:

  • Punktueller Schmerz innen, etwas unterhalb des Gelenkspalts, beim Treppabgehen, bei Ausfallschritten, nach längerem Gehen und als Anlaufschmerz nach Ruhe: Das spricht für die Sehnenansätze am Schienbein (Pes anserinus).

  • Diffuser, wechselhafter Schmerz innen im Gelenk, an einem Tag tut die Treppe weh, am nächsten kaum, oft mit einem Gefühl von Unsicherheit: Das passt zu einem überlasteten Innenmeniskus. Ein Verschleiß im MRT erklärt den Schmerz allerdings nicht automatisch.

  • Plötzlicher Schmerz innen nach einem Ereignis, etwa wenn das Knie nach innen weggeknickt ist oder dich jemand von außen getroffen hat, dazu das Gefühl, das Knie sei nach innen instabil: Das spricht für eine Verletzung des Innenbands.

In der Kniekehle

Spannt es in der Kniekehle, drückt es bei tiefer Beugung oder zieht es beim Strecken, steckt oft eine Bakerzyste dahinter. Sie ist keine eigene Erkrankung, sondern ein Ventil: Das Knie bildet wegen einer Reizung im Gelenk mehr Flüssigkeit und entlastet sich nach hinten. Deshalb behandeln wir nicht die Zyste, sondern das, was im Gelenk den Reiz setzt. Wie groß die Zyste ist, sagt übrigens wenig darüber, wie stark sie wehtut.

Wichtig: Eine schmerzhafte Schwellung in Kniekehle und Wade gehört sofort ärztlich abgeklärt, weil auch eine Thrombose dahinterstecken kann.

Warum der Ort nicht die ganze Antwort ist

Knieschmerzen, die sich über Wochen oder Monate entwickeln, wandern oft: mal vorne, mal innen, mal außen. Das ist ein Hinweis darauf, dass das Problem nicht an einer Stelle sitzt, sondern in der Art, wie das Knie belastet wird. Die häufigsten Gründe:

  • eine Beinachse, die bei Belastung nach innen oder außen ausweicht

  • eine Hüfte, die zu wenig dreht, oder eine Gesäßmuskulatur, die die Achse nicht hält

  • ein Sprunggelenk, das nach altem Umknicken nicht mehr weit genug nach oben kommt

  • ein schief stehendes Becken oder ein funktionell unterschiedlich langes Bein

Und: Das Alter allein ist nie die Ursache. Es erklärt nicht, warum ein Knie wehtut und das andere nicht, oder warum es gerade jetzt anfängt.

Wie wir vorgehen

Wir fragen, wann und wobei es wehtut und was früher war: alte Verletzungen an Knie, Sprunggelenk oder Hüfte, Rückenschmerzen, Veränderungen im Alltag oder im Training. Dann untersuchen wir das Knie und genauso die Beinachse beim Kniebeugen und Treppabsteigen, den Einbeinstand, Hüfte, Sprunggelenk, Becken und Gangbild. Ein vorhandenes MRT ordnen wir immer zusammen mit der Funktion ein.

Erst die Reizung beruhigen. Radiofrequenztherapie mit entzündungshemmenden Programmen und Mikrostrom dämpfen die Reizung. Wir passen die Belastung an, statt das Knie stillzulegen, und entlasten es über Hüfte und Sprunggelenk.

Dann aufbauen. Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur, Beinachse, Stabilität auf einem Bein, Sprunggelenk. Bei gereizten Sehnen kann die Stoßwelle dazukommen, aber erst, wenn die akute Reizung abgeklungen ist und wir die Ursache der Überlastung gefunden und angegangen haben. Unter 16 Jahren setzen wir sie nicht ein.

Dann die Ursache prüfen und dein Ziel erreichen. Hält die Achse auch unter Ermüdung? Klappen Treppen, Laufen und Sport ohne Reaktion am nächsten Tag? Erst dann ist das Knie wirklich belastbar.

Wann du nicht warten solltest

  • Das Knie schwillt nach einem Unfall innerhalb von ein bis zwei Stunden stark an.

  • Das Knie knickt weg oder fühlt sich instabil an.

  • Das Knie lässt sich nicht mehr strecken und fühlt sich hart blockiert an.

  • Rötung, Überwärmung oder Fieber.

  • Schmerzen in Ruhe oder in der Nacht.

  • Eine schmerzhafte Schwellung in Kniekehle und Wade.

  • Ein Kind oder Jugendlicher hinkt wegen Knieschmerzen. Dann kann die Ursache auch in der Hüfte liegen.

Was wir dafür im Haus haben

Deinen Termin bekommst du über Doctolib oder per WhatsApp an deinen Standort: Kutenhauser Straße oder Stiftsallee in Minden.

Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. Welche Struktur bei dir gereizt ist und woher die Überlastung kommt, klären wir im kostenfreien Erstgespräch.

 
 
 

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