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Eure Fragen: Beschwerden, Ursachensuche und chronische Leistenschmerzen

Matthias Kranz
vor 12 Stunden
4 Min. Lesezeit

Worum es in dieser Folge geht

Unsere erste Fragerunde. Hörer hatten über Instagram geschrieben, Matze, Rebekka und Yannick haben ohne Vorbereitung geantwortet.

Drei Fragen haben den fachlichen Kern der Folge ausgemacht: Mit welchen Beschwerden kommen die meisten Patienten? Wie steht ihr zur Weiterbildung Sportosteopathie? Und wie geht ihr bei chronischen Leistenschmerzen vor?

72 Minuten, davon die erste knappe Stunde fachlich, der Rest persönlich.

Mit welchen Beschwerden kommen die meisten Patienten?

Wenn man auf Körperregionen schaut, sind es der untere Rücken und der Bereich Schulter, Nacken und Kopf. Aber diese Antwort greift zu kurz.

Die eigentliche Gemeinsamkeit ist eine andere: Die meisten Menschen, die zu uns kommen, haben ihre Beschwerden seit mehreren Jahren und haben vorher schon mehrere Adressen abgeklappert. Wir haben eine sehr hohe Quote an chronischen Verläufen.

Warum Menschen losgehen

Nicht wegen des Schmerzes. Wäre Schmerz der Grund, würden Menschen schon beim ersten Ziehen kommen.

Der Knackpunkt ist der Moment, in dem Lebensqualität verloren geht. Ein Ziehen im Rücken am Morgen wird hingenommen. Wenn aber das Radfahren nicht mehr geht oder das Spielen mit den Enkeln, dann gehen die Leute los. Oder wenn sie Angst haben, dass es so weit kommt.

Zwei Beobachtungen aus dem Praxisalltag, die uns beschäftigen. Auf die Frage nach dem Schmerzlevel antworten Patienten nicht selten mit normal — und normal bedeutet dann fünf von zehn. Man gewöhnt sich an erstaunlich viel.

Und viele wollen sich gar keine Hoffnung mehr machen, weil sie es gewohnt sind, enttäuscht zu werden. Dass Menschen positiv überrascht sind, wie genau und wie lange untersucht wird, ist schön — und gleichzeitig erschreckend.

Die Entstehungsgeschichte ist das Wichtigste

Das ist die zentrale Aussage der Folge. Um herauszufinden, wo etwas herkommt, ist die Geschichte mit Abstand das wichtigste Instrument.

Wie lange bestehen die Beschwerden? Wie haben sie sich entwickelt? In welchen Situationen treten sie vermehrt auf? Wie fühlt sich der Schmerz an? Gab es ein Ereignis?

Auffällig ist, wie oft Patienten bei diesen Fragen lange überlegen müssen — weil sie sie vorher noch nie gestellt bekommen haben.

Wie wir zur Sportosteopathie stehen

Die Frage kam gleich mehrfach. Unsere Antwort in Kurzform: Wir empfehlen die Weiterbildung, und zwar aus einem bestimmten Grund.

Was uns daran wichtig ist: Es kommen keine esoterischen Verfahren vor. Alles bleibt auf einem Niveau, das sich anhand von Strukturen und Nervenverbindungen nachvollziehen lässt. Wenn etwas wirkt, wollen wir eine Erklärung dafür haben — und die bekommen wir dort.

Was sie gegenüber der Manuellen Therapie ergänzt, sind die Verkettungen. In der Manuellen Therapie lernt man Test und Behandlung für Schulter, Knie und Sprunggelenk. Was dort fehlt, ist die Frage, wo ein Problem sonst noch herkommen könnte. Genau das ist der Inhalt.

Dazu gehört eine Einschränkung, die wir im Podcast ausdrücklich machen: Das ist nicht evidenzbasiert. Man darf daraus keine Regel machen, sondern muss bei jedem Patienten neu prüfen, ob es zu ihm passt.

Wie wir das in der Praxis einsetzen: Das Hauptgeschäft ist Physiotherapie — also zuerst Gelenke, Bänder und Muskulatur. Erst wenn wir damit nicht dahin kommen, wo wir hinwollen, steht die viszerale Behandlung als weitere Option offen.

Chronische Leistenschmerzen — wie wir vorgehen

Das ist der ausführlichste fachliche Teil der Folge.

Die erste Frage ist immer: schlagartig oder schleichend? Daraus ergeben sich zwei völlig unterschiedliche Wege.

Bei schlagartigem Beginn prüfen wir zuerst, ob ein Trauma vorlag und ob per Bildgebung ein struktureller Schaden ausgeschlossen wurde. Ist strukturell nichts zu finden, liegt die Ursache in aller Regel eher im Gelenkbereich — eine Blockade irgendwo im System oder eine Fehlstatik, durch die die Leiste fehlbelastet wird.

Bei schleichendem Beginn steckt meistens eine dauerhafte Fehlbelastung dahinter. Entweder eine Instabilität oder eine Fehlhaltung beziehungsweise Dysbalance. Als mögliche Folgen sieht man ein Impingement in der Leiste oder eine Schambeinentzündung.

Warum die Leiste so schwierig ist: Es gibt wenige Regionen mit einer so hohen Dichte an Strukturen — Knochen, Muskeln, Faszien, Bänder, Nerven, Gefäße auf engem Raum. Am Knie ist topografisch weniger los, dort lässt sich leichter differenzieren.

Typisch ist außerdem ein bestimmter Verlauf: Man findet die übergeordnete Ursache, ein Großteil der Beschwerden ist weg — und dann bleibt man beim letzten Rest hängen. An dieser Stelle lohnt es sich, die umliegenden Systeme noch einmal anzuschauen.

Was bei Sportlern dazukommt: Bei einer klaren Verletzung weiß man, was kaputt ist, wie lange die Pause dauert und woran man sich orientiert. Bei Leistenschmerzen fehlt genau dieser rote Faden. Der eine sagt so, der andere so. Das macht mental mehr aus, als viele denken. Dazu kommt, dass ein Knie oder eine Schulter greifbar sind — eine Leiste nicht.

Wettkampfsport ist kein Gesundheitssport

Auf die Frage, ob extreme Ausdauerbelastungen nicht ungesund seien, ist unsere Antwort: Nennen Sie einen Wettkampfsport, der gut für die Gesundheit ist. Das macht man nicht für die Gesundheit.

In der Sportphysiotherapie geht es um maximale Leistungsfähigkeit. Unsere Aufgabe ist aufzuklären, welche Risiken bestehen. Die Entscheidung trifft der Sportler.

Daran hängt eine Haltung, die uns wichtig ist. Wenn jemandem gesagt wird, er könne nie wieder etwas machen, entstehen riesige Barrieren im Kopf. Und man ist fast nie in der Situation, heute eine Entscheidung über die nächsten Jahre treffen zu müssen.

Nicht jeder Fall ist lösbar

Am Ende der Folge steht die Relativierung, die dazugehört. Es gibt Patienten, denen wir nicht helfen können. Das sind die schwierigsten Fälle.

Zur fachlichen Kompetenz gehört, das eigene Ego hinten anzustellen, zu sagen: Ich komme hier nicht weiter. Und über das eigene Netzwerk an Kollegen mit anderen Schwerpunkten weiterzuvermitteln.

Die ganze Folge hören

NextGen Therapy Folge 3 läuft 72 Minuten und ist auf YouTube und Spotify verfügbar.

Beschwerden, bei denen niemand die Ursache findet?

Jeder neue Patient beginnt bei uns mit einem kostenfreien Erstgespräch von 45 Minuten. Sie schildern, was passiert ist, wir untersuchen körperlich und geben eine erste Einschätzung. Danach besprechen wir gemeinsam, was sinnvoll ist und was es kostet. Physiotherapie Matthias Kranz, Kutenhauser Straße 155a und Stiftsallee 29 in Minden.

 
 
 

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