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Schwierige Fälle: wenn der Schmerz nicht dort sitzt, wo die Ursache liegt

Matthias Kranz
vor 12 Stunden
5 Min. Lesezeit

Worum es in dieser Folge geht

Nach Folge 3 kam eine Frage besonders oft: Was war euer schwierigster Fall? Diese Folge ist die Antwort darauf.

Ein Satz muss dabei ganz am Anfang stehen, und wir sagen ihn im Podcast auch als Erstes: Das sind Fälle, in denen geholfen werden konnte. Das heißt ausdrücklich nicht, dass allen geholfen werden kann. Es gibt Patienten, deren Ziele wir nicht erfüllen können. Die schwierigsten Fälle sind nicht die spektakulären — es sind die, die ungelöst bleiben.

83 Minuten über Vorgehen, über Irrtümer und über die Frage, was man tut, wenn der Befund nichts hergibt.

Die Geschichte ist das wichtigste Untersuchungsinstrument

In mehreren der Fälle, über die wir sprechen, kam der entscheidende Hinweis nicht aus der körperlichen Untersuchung. Er kam aus einer Frage.

Das klingt banal, ist es aber nicht. Menschen, die seit Jahren Beschwerden haben, sind es gewohnt, dass an der schmerzenden Stelle gearbeitet wird. Nach der Entstehungsgeschichte fragt oft niemand: Wann ging es los? Gab es damals etwas anderes? Was war vorher?

Ein Beispiel aus der Folge, ohne Details, die jemanden erkennbar machen: Ein Patient hatte über rund drei Jahrzehnte Beschwerden, die immer nur auf einer Körperseite auftraten. Der Beginn fiel mit dem Wachstumsschub in der Jugend zusammen. Genau an dieser Stelle hat es sich gelohnt, einen Schritt zurückzugehen — denn ein Wachstumsschub wirkt nicht einseitig. Er konnte der Auslöser gewesen sein, aber nicht die Ursache.

Auslöser und Ursache sind nicht dasselbe

Das ist der Gedanke, der diese Folge zusammenhält.

Der Auslöser ist der Moment, in dem es losging. Die Ursache ist das, was dafür gesorgt hat, dass es überhaupt losgehen konnte. Beides fällt manchmal zusammen — bei einem Unfall zum Beispiel. Sehr oft aber nicht.

Daraus folgt eine einfache Regel, die uns immer wieder weiterhilft: Ein einseitiges Problem braucht eine einseitige Ursache. Wenn jemand nur rechts Beschwerden hat, kann die Erklärung nicht etwas sein, das links genauso wirkt.

Narben — der rote Faden dieser Folge

Drei der Fälle in dieser Folge laufen auf dasselbe hinaus: Eine alte, unbeweglich gewordene Narbe hat über Jahre ein Beschwerdebild an einer ganz anderen Körperstelle unterhalten.

Es geht nicht um schön oder hässlich, sondern um beweglich oder unbeweglich. Narben dürfen da sein, und man bekommt sie nicht weg. Entscheidend ist, ob das Gewebe sich mitbewegt. Eine optisch völlig unauffällige Narbe kann extrem unbeweglich sein. Man sieht das nicht — man muss es anfassen.

Was man sieht, ist ohnehin der kleinste Teil. Von außen ist nur die Oberfläche zu sehen. Was in der Tiefe an Gewebe verbunden und verzogen ist, ist den meisten Menschen nicht bewusst.

Notoperationen sind ein Hinweis. Wenn eine Operation unter Zeitdruck stattfinden musste, konnte die Naht oft nicht optimal gemacht werden. Für uns ist das ein regelmäßiger Anlass, die Narbe zumindest einmal anzuschauen.

Und nach einer Operation lohnt sich Vorbeugung. Sobald die Narbe geschlossen ist, geben wir Patienten einfache Eigenübungen mit nach Hause. Das macht Probleme später unwahrscheinlicher.

Was wir Kollegen fragen und warum

Wir fragen bei jedem neuen Patienten, was vorher schon versucht wurde. Nicht, um über Kollegen zu urteilen. Sondern aus zwei ganz praktischen Gründen.

Erstens müssen wir nichts wiederholen, was nachweislich nicht funktioniert hat. Zweitens ist eine erfolglose Vorbehandlung keine verlorene Zeit, sondern Information. Man ist einen Schritt weiter und weiß: Das ist es nicht.

Sich nicht zu früh auf die Schulter klopfen

Bei Beschwerden, die in Phasen kommen — Migräne, Kopfschmerz, vieles im Rücken — ist kaum zu unterscheiden, ob die Therapie wirkt oder gerade eine gute Phase läuft.

Deshalb fragen wir bei jeder Besserung nach: Gab es solche guten Phasen früher auch schon? Wenn ja, wissen wir noch nichts. Wenn nein, ist das ein Hinweis.

Der Grund für diese Vorsicht ist nicht Bescheidenheit. Wer sich zu früh feiert, enttäuscht den Patienten beim nächsten Rückfall doppelt — und gerät in die Versuchung, das eigene Ergebnis zu verteidigen, statt weiterzusuchen.

Ein Fall aus der Folge zeigt das gut. Nach einer Behandlung war ein seit Jahren bestehender Kopfschmerz eine Woche lang weg. Statt das als Erfolg zu verbuchen, kam die Nachfrage — solche Wochen hatte es vorher nie gegeben. Beim nächsten Termin war alles wieder da. Daraus folgte die richtige Frage: Wenn eine Blockade den Kopfschmerz auslöst, was löst dann immer wieder die Blockade aus? Die Antwort lag am Ende an einer ganz anderen Stelle.

Den Maßstab setzt der Patient

Die Lebensqualität definiert jeder Patient für sich selbst. Ein fachlich unspektakulärer Erfolg kann für den Betroffenen der eigentliche Durchbruch sein — von mehrmals wöchentlich auf alle paar Monate, oder von auf Hilfe angewiesen auf in ein paar Stunden selbst beherrschbar.

Umgekehrt gilt dasselbe: Wenn wir den Verlauf gut finden, der Patient aber keine Veränderung spürt, hat es nicht funktioniert. Dann wird weitergesucht, nicht argumentiert.

Nicht bei jedem ist vollständige Beschwerdefreiheit das Ziel. Bei manchen ist sie nicht erreichbar. Das gehört gesagt, bevor man anfängt.

Wenn jemandem gesagt wurde, da ist nichts mehr zu machen

Solche Sätze bleiben. Sie prägen die Erwartung von Patienten massiv, oft über Jahre.

Wir wollen damit ausdrücklich nicht gegen Ärzte schießen. Unter Zeitdruck und nach vielen Gesprächen fällt so ein Satz schnell anders, als er beim Gegenüber ankommt. Aber wenn realistisch noch eine Option besteht, halten wir es für wichtig, das auch zu sagen — ohne das Blaue vom Himmel zu versprechen.

Der Unterschied zwischen Hoffnung machen und Hoffnung versprechen ist genau der Punkt, an dem sich Seriosität entscheidet.

Wenn wir nicht weiterkommen

Zu wissen, was man nicht kann, ist mindestens so wichtig wie zu wissen, was man kann. Niemand kann alles.

Bei uns gibt es dafür feste Stufen. Erstens das Vier-Augen-Prinzip: Wenn ein Therapeut allein nicht weiterkommt, schaut ein zweiter mit. Zweitens die interne Fallbesprechung: Reicht das nicht, geht der Fall ins Team. Und drittens die Weiterleitung: Wenn auch das nicht weiterhilft, leiten wir weiter und geben alle Informationen an den nächsten Behandler mit.

Was wir nicht machen: den Patienten mit noch einem weiteren Versuch allein lassen.

Den eigenen Druck vom Patienten trennen

Wenn Menschen viel Aufwand auf sich nehmen, um zu uns zu kommen, entsteht der Reflex, sich besonders beweisen zu wollen. Genau das macht betriebsblind. Man probiert dann Dinge, die man sonst nicht machen würde, oder zieht die Kollegen nicht mehr hinzu.

Der Satz, der dagegen hilft: Der Druck ist nicht bei mir, weil es nicht um mich geht.

Warum wir keine Provisionen nehmen

Empfehlungen von Therapeuten sollen ausschließlich aus Überzeugung entstehen. Deshalb gibt es bei uns keine Provision und keine Verkaufsvorgaben.

Und deshalb wird auch kein Gerät angeschafft, das das Team nicht vorher wochenlang getestet hat. Die Therapeuten entscheiden mit. Ein Anbieter, der keinen Test erlaubt, kommt für uns nicht in Frage. Wer keine eigene Erfahrung mit etwas hat, kann dazu keine ehrliche Empfehlung geben — und Patienten merken den Unterschied ohnehin.

Nachkontrolle statt Verlängerung

Patienten kommen bei uns in Abständen nach Therapieende noch einmal wieder. Ausdrücklich nicht, um weiterbehandelt zu werden, sondern um den Verlauf weiter zu dokumentieren und zu prüfen, ob das Ergebnis wirklich hält.

Die ganze Folge hören

NextGen Therapy Folge 4 läuft 83 Minuten und ist auf YouTube und Spotify verfügbar.

Sie laufen seit Jahren von Adresse zu Adresse?

Jeder neue Patient beginnt bei uns mit einem kostenfreien Erstgespräch von 45 Minuten. Sie schildern, was passiert ist, wir untersuchen körperlich und geben eine erste Einschätzung — auch dann, wenn die ehrliche Einschätzung lautet, dass wir nicht die richtige Adresse sind. Danach besprechen wir gemeinsam, was sinnvoll ist und was es kostet. Physiotherapie Matthias Kranz, Kutenhauser Straße 155a und Stiftsallee 29 in Minden.

 
 
 

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