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Geistig fit durch Bewegung: Was Training mit Denkaufgaben bringen kann – und was nicht

Autorenbild: Matthias Kranz
Matthias Kranz
vor 4 Tagen
3 Min. Lesezeit

„Kann ich mit Training verhindern, dass ich vergesslich werde?“ Diese Frage beschäftigt viele ältere Menschen und ihre Angehörigen, oft mit Sorge im Hinterkopf, weil Demenz oder Alzheimer in der Familie vorkommen. Die Frage verdient eine ehrliche Antwort.

Die kurze Antwort: Regelmäßige Bewegung gehört zu den Dingen, die die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, um geistig fit zu bleiben. Training, das Bewegung und Denkaufgaben verbindet, kann Aufmerksamkeit, Reaktion und sicheres Gehen verbessern. Dass irgendein Training Alzheimer oder Demenz sicher verhindert, ist aber nicht belegt, und das versprechen wir auch nicht.

Aufgaben für Kopf und Körper am SkillCourt in der Physiotherapie Matthias Kranz in Minden
Kopf und Körper zusammen fordern: Aufgaben am SkillCourt verbinden Bewegung und Denken

Was die Forschung sagt

Bewegung allgemein. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen ohne geistige Einschränkungen ausdrücklich regelmäßige körperliche Aktivität, um das Risiko für geistigen Abbau zu senken (WHO-Leitlinie 2019). Bewegung wirkt dabei über mehrere Wege, etwa über Durchblutung, Blutdruck, Blutzucker und Schlaf.

Bewegung mit Denkaufgaben. Studien mit älteren Menschen zeigen, dass ein Training, bei dem gleichzeitig Bewegung und Denken gefordert sind, vor allem die sogenannten exekutiven Funktionen verbessern kann: Aufmerksamkeit lenken, umschalten, planen, Störendes ausblenden. Genau diese Fähigkeiten brauchst du, um im Straßenverkehr den Überblick zu behalten oder beim Gehen auf mehrere Dinge zu achten.

Demenz verhindern. Ob ein solches Training eine Demenz verhindern oder deutlich verzögern kann, lässt sich bisher nicht sagen. Dafür bräuchte es Studien über viele Jahre, und die fehlen. Wer etwas anderes behauptet, verspricht mehr, als die Forschung hergibt.

Warum Kopf und Körper zusammengehören

Jede Bewegung, die du bewusst machst, beginnt im Kopf. Du siehst etwas, dein Gehirn entscheidet, und erst dann bewegen sich die Muskeln. Wer im Alltag weniger gefordert wird, verliert nicht nur Muskelkraft, sondern übt auch dieses Zusammenspiel seltener.

Deshalb ist es sinnvoll, beides gemeinsam zu trainieren: Gleichgewicht halten und dabei eine Zahlenfolge merken. Auf ein Signal reagieren und dabei entscheiden, welche Richtung die richtige ist. Gehen und gleichzeitig ein Gespräch führen.

Warum Gehirntraining am Bildschirm wenig bringt

Apps und Rätsel machen Spaß, und gegen sie ist nichts einzuwenden. Studien zu Gehirntrainings-Programmen zeigen aber, dass man vor allem in den geübten Aufgaben besser wird. Die Verbesserung überträgt sich kaum auf andere Fähigkeiten im Alltag. Wer sich im Alltag sicherer bewegen und schneller reagieren will, sollte so trainieren, wie der Alltag es verlangt: im Stehen, in Bewegung und mit Aufgaben, die Kopf und Körper gleichzeitig fordern.

Was im Alltag hilft

  • Regelmäßig bewegen: Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen, am besten an den meisten Tagen der Woche

  • Muskeln kräftigen: zwei- bis dreimal pro Woche, besonders Beine und Hüfte

  • Gleichgewicht üben: auf einem Bein stehen, auf unebenem Boden gehen, immer mit einer Möglichkeit zum Festhalten

  • Neues lernen: einen Tanz, ein Instrument, eine Sportart, bei der man mitdenken muss

  • Unter Leute gehen: gemeinsam bewegen fordert Kopf und Körper zugleich

Auch Blutdruck, Blutzucker, Hören und Sehen spielen für die geistige Gesundheit eine Rolle. Das gehört in ärztliche Hände.

Was wir anbieten, und was nicht

Wir messen und trainieren am SkillCourt, wie gut Sehen, Denken und Bewegen bei dir zusammenarbeiten. Eine 3D-Kamera und Lasertechnik erfassen, wie schnell du auf Signale am Boden reagierst, wie sicher du stehst und wie sich deine Bewegung verändert, wenn eine Denkaufgabe dazukommt. Weil die Messung jedes Mal gleich abläuft, siehst du im Verlauf, ob du dich verbesserst. Dazu kommen Kraft- und Gleichgewichtstraining.

Was wir nicht tun: Wir stellen keine Diagnose zu Gedächtnis oder Demenz und behandeln keine Demenz. Wenn bereits eine Diagnose wie eine leichte kognitive Störung oder Demenz besteht, klären wir im Erstgespräch, ob und wie Training bei uns sinnvoll ist, gern gemeinsam mit Angehörigen.

Wann du ärztlich abklären lassen solltest

Wenn dir oder deinen Angehörigen auffällt, dass Termine, Namen oder Gespräche häufiger vergessen werden, dass die Orientierung in bekannter Umgebung schwerer fällt, dass Alltagsaufgaben wie Rechnungen oder Kochen nicht mehr klappen oder dass sich die Persönlichkeit verändert, sprich zuerst mit deinem Hausarzt. Viele Ursachen für Vergesslichkeit sind gut behandelbar, etwa ein Vitaminmangel, eine Schilddrüsenstörung oder Nebenwirkungen von Medikamenten.

Häufige Fragen

Kann ich mit Training Alzheimer vorbeugen?

Sicher vorbeugen kann man Alzheimer nach heutigem Wissen nicht. Regelmäßige Bewegung gehört aber zu den Empfehlungen, um das Risiko für geistigen Abbau zu senken.

Ab welchem Alter lohnt sich das?

Es ist nie zu früh und selten zu spät. Wichtig ist, dass das Training zu deiner Belastbarkeit passt. Das klären wir im Erstgespräch.

Ist das Training anstrengend?

So anstrengend, wie es für dich sinnvoll ist. Tempo und Schwierigkeit passen wir an. Wer unsicher steht, trainiert zuerst mit einem Therapeuten an der Seite, so lange, bis es allein sicher klappt.

Was wir dafür im Haus haben

Wie du anfängst

Am Anfang steht ein kostenfreies Erstgespräch von 45 Minuten. Du erzählst, was dich beschäftigt, wir untersuchen dich und geben eine erste Einschätzung. Danach besprechen wir Umfang und Kosten. Deinen Termin bekommst du über Doctolib oder per WhatsApp an den jeweiligen Standort, Kutenhauser Straße oder Stiftsallee in Minden.

Alle Aussagen sind Einschätzungen aus unserem Praxisalltag und ersetzen keine individuelle Untersuchung oder ärztliche Abklärung.

 
 
 

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