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Stürze im Alter: Warum Kraft allein oft nicht reicht

Autorenbild: Matthias Kranz
Matthias Kranz
vor 4 Tagen
3 Min. Lesezeit

Fragt man jemanden nach einem Sturz, wie es passiert ist, hört man selten „Ich war zu schwach“. Viel öfter heißt es: „Ich hab die Kante nicht gesehen.“ „Ich war mit dem Kopf woanders.“ „Als ich es gemerkt habe, lag ich schon.“

Die kurze Antwort: Kraft ist wichtig, um Stürzen vorzubeugen, aber sie ist nur ein Teil. Ebenso entscheidend sind Gleichgewicht, Reaktion und die Fähigkeit, beim Gehen noch etwas anderes zu tun, zum Beispiel zu reden oder sich umzuschauen. All das lässt sich messen und trainieren.

Messung und Training am SkillCourt in der Physiotherapie Matthias Kranz in Minden
Gleichgewicht, Reaktion und Schritte mit Denkaufgabe: am SkillCourt messbar und trainierbar

Sturzursachen sind vielfältig

Hinter einem Sturz steckt selten nur ein Grund. Häufig kommen mehrere Dinge zusammen:

  • nachlassende Kraft in Beinen und Hüfte

  • schlechteres Gleichgewicht

  • langsamere Reaktion

  • verändertes Sehen, etwa durch eine neue Brille oder grauen Star

  • Medikamente, die müde oder schwindelig machen

  • niedriger Blutdruck beim Aufstehen

  • Stolperfallen in der Wohnung, schlechtes Licht, ungeeignete Schuhe

  • Angst vor dem Stürzen, die zu steifem, vorsichtigem Gehen führt

Ein Teil davon gehört in ärztliche Hände, etwa Medikamente, Blutdruck und Augen. Ein anderer Teil lässt sich gezielt trainieren. Darum kümmern wir uns.

Warum Kraft wichtig ist, aber nicht reicht

Starke Beine helfen, einen Stolperer abzufangen und nach einem Ausfallschritt wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Deshalb gehört Krafttraining fest zur Sturzvorbeugung.

Aber die stärksten Beine nützen nichts, wenn die Kante zu spät gesehen wird oder der rettende Schritt zu spät kommt. Zwischen Sehen und Schritt liegt eine Strecke, die im Alter langsamer wird: wahrnehmen, einordnen, entscheiden, bewegen. Genau dort setzen wir zusätzlich an.

Gehen und Reden gleichzeitig

Im Alltag gehst du selten nur. Du redest, schaust auf Schilder, hörst den Bus kommen, suchst den Schlüssel. Jede dieser Aufgaben beansprucht einen Teil deiner Aufmerksamkeit, die dann für das Gehen fehlt.

Wie gut das klappt, sagt viel über das Sturzrisiko aus. In einer bekannten Studie aus Schweden stürzten ältere Menschen in einer Pflegeeinrichtung, die beim Gehen stehen blieben, sobald man sie ansprach, in den folgenden Monaten deutlich häufiger als die anderen (Lundin-Olsson 1997, The Lancet). Seitdem werden solche Doppelaufgaben-Tests häufig genutzt, um das Sturzrisiko einzuschätzen.

Für dich heißt das: Wenn du merkst, dass du stehen bleibst, um zu antworten, ist das ein Hinweis, den du ernst nehmen solltest, und einer, an dem sich gut arbeiten lässt.

Was Training nachweislich bringt

Die Forschung ist hier eindeutig. Eine große Cochrane-Übersicht mit über 100 Studien zeigt: Übungsprogramme mit Gleichgewichts- und Funktionsübungen senken bei älteren Menschen, die zu Hause leben, die Zahl der Stürze um rund ein Viertel (Sherrington 2019). Am meisten bringen Programme, die mehrere Bausteine verbinden, also Gleichgewicht, Kraft und Alltagsbewegungen, und die regelmäßig über längere Zeit laufen.

Wie wir Sturzvorbeugung angehen

Messen. Am SkillCourt erfassen eine 3D-Kamera und Lasertechnik, wie sicher du auf einem Bein stehst, wie schnell du auf Signale am Boden reagierst und wie sich deine Bewegung verändert, wenn du gleichzeitig eine Denkaufgabe löst. Dazu messen wir die Kraft deiner Beine und schauen uns mit der 3D-Körperanalyse Haltung und Beinachse an.

Trainieren. Kraft für Beine und Hüfte, Gleichgewicht auf festem und weichem Untergrund und am SkillCourt Reaktion mit schnellen Schritten in alle Richtungen, zuerst vorhersehbar, dann zufällig und dann mit einer zusätzlichen Aufgabe für den Kopf. Tempo und Schwierigkeit passen wir an dich an. Wer unsicher steht, trainiert zuerst mit einem Therapeuten an der Seite, so lange, bis es allein sicher klappt.

Vergleichen. Weil die Messung jedes Mal gleich abläuft, siehst du nach einigen Wochen, ob du sicherer geworden bist, und nicht nur, ob es sich so anfühlt.

Nach einem Sturz: die Angst vor dem nächsten

Viele, die einmal gestürzt sind, bewegen sich danach weniger, weil sie Angst haben. Das ist verständlich, aber es schwächt genau die Fähigkeiten, die vor dem nächsten Sturz schützen. Ein Training in sicherer Umgebung, bei dem du merkst und siehst, dass du sicherer wirst, hilft oft auch gegen diese Angst.

Wann du sofort zum Arzt solltest

Wenn du ohne erkennbaren Grund stürzt, wenn dir vorher schwarz vor Augen oder schwindelig wurde, wenn du kurz bewusstlos warst oder wenn du nach einem Sturz Schmerzen hast, die nicht nachlassen, lass das zuerst ärztlich abklären.

Was wir dafür im Haus haben

Wie du anfängst

Am Anfang steht ein kostenfreies Erstgespräch von 45 Minuten. Du erzählst, was passiert ist oder was dich verunsichert, wir untersuchen dich und geben eine erste Einschätzung. Danach besprechen wir Umfang und Kosten. Deinen Termin bekommst du über Doctolib oder per WhatsApp an den jeweiligen Standort, Kutenhauser Straße oder Stiftsallee in Minden. Beide Praxen sind barrierefrei.

Alle Aussagen sind Einschätzungen aus unserem Praxisalltag und ersetzen keine individuelle Untersuchung.

 
 
 

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