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Migräne: Was Physiotherapie leisten kann und welche Rolle der Nacken spielt

Autorenbild: Matthias Kranz
Matthias Kranz
vor 5 Tagen
4 Min. Lesezeit

Pochend, meist auf einer Seite, dazu Übelkeit, und jedes Licht und jedes Geräusch ist zu viel. Manche sehen vorher Flimmern oder Zickzacklinien, die sogenannte Aura. Eine Migräneattacke kann Stunden bis Tage dauern und dich komplett aus dem Alltag nehmen. Viele Betroffene merken außerdem: Wenn der Nacken fest ist, der Stress hoch und die Nächte kurz, kommen die Attacken häufiger.

Die kurze Antwort: Migräne ist eine eigene neurologische Erkrankung. Diagnose und medikamentöse Behandlung gehören in ärztliche Hand. Physiotherapie behandelt nicht die Migräne selbst, sie kann aber an den Dingen ansetzen, die Attacken verstärken können: an verspannter Nackenmuskulatur, an den oberen Halswirbelgelenken, an der Brustwirbelsäule, am Kiefer und an deiner Belastung im Alltag. Und sie kann klären, ob hinter deinem Kopfschmerz wirklich eine Migräne steckt oder ein Kopfschmerz, der aus dem Nacken kommt.

Physiotherapeut behandelt Kopf und oberen Nacken eines sitzenden Patienten im Behandlungsraum der Praxis in Minden
Ob dein Nacken beim Kopfschmerz mitspielt, zeigt die Untersuchung: Lässt er sich dort auslösen oder verändern?

Migräne, Spannungskopfschmerz oder Kopfschmerz aus dem Nacken?

Die drei werden oft verwechselt, und sie können auch zusammen vorkommen.

  • Migräne kommt in Attacken, ist häufig pulsierend und einseitig, oft mit Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Körperliche Anstrengung verstärkt sie meist.

  • Spannungskopfschmerz ist eher drückend oder ziehend. Er entsteht häufig aus einer überlasteten Muskulatur am Hinterkopf, im oberen Nacken und zwischen Hals und Schulterblatt, typischerweise bei vorgeschobenem Kopf oder rundem Rücken.

  • Kopfschmerz aus dem Nacken beginnt am Hinterkopf, zieht oft einseitig bis in die Stirn und lässt sich durch bestimmte Kopfhaltungen oder Bewegungen auslösen. Meist ist die Nackenbeweglichkeit eingeschränkt.

Mehr zum letzten Typ liest du in unserem Beitrag Kopfschmerz, der aus dem Nacken kommt.

Warum der Nacken bei Migräne mitspielen kann

Die oberen Halswirbelgelenke, also die Kopfgelenke direkt unter dem Schädel, und die kleine Muskulatur darum herum sind eng mit den Nervenbahnen verschaltet, die auch Gesicht und Kopf versorgen. Reize aus dem Nacken können deshalb im Kopf ankommen und eine Migräne verstärken.

Dazu kommt die Brustwirbelsäule. Sie ist eng mit dem vegetativen Nervensystem verbunden, das Anspannung und Erholung steuert. Blockaden und Dauerspannung in diesem Bereich können innere Unruhe, schlechten Schlaf und Stresssymptome mit befeuern, und beides sind bekannte Verstärker für Kopfschmerzen.

Was sonst noch dahinterstecken kann

Nicht jeder Kopfschmerz hat seinen Ursprung in der Wirbelsäule. Ein Teil der Abklärung gehört deshalb zu anderen Fachleuten:

  • Augen: Eine nicht korrigierte Sehschwäche kann Kopfschmerzen auslösen. Das prüft der Augenarzt.

  • Kiefer: Zähneknirschen oder ein überlastetes Kiefergelenk spannen die Muskulatur an Kopf und Nacken mit an. Hier ist der Zahnarzt oder Kieferorthopäde gefragt.

  • Neurologie: Ob es eine Migräne ist und welche Behandlung sie braucht, klärt der Neurologe oder dein Hausarzt.

  • Stress und Schlaf: Dauerstress, Schlafmangel und innere Anspannung halten die Spannung im Nacken über Wochen hoch.

Was wir untersuchen

Wir fragen zuerst nach deiner Geschichte: Wie oft kommen die Kopfschmerzen, wie fühlen sie sich an, was geht ihnen voraus? Gab es einen Unfall, ein Schleudertrauma, eine Veränderung im Alltag? Dann prüfen wir die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und gezielt die der Kopfgelenke, dazu Brustwirbelsäule, Rippen, Schultergürtel und die Ausdauer der tiefen Nackenmuskulatur. Mit der 3D-Körperanalyse halten wir Haltung und Seitenunterschiede fest.

Entscheidend ist der Test vor und nach der Behandlung. Lässt sich dein bekannter Kopfschmerz über den Nacken auslösen oder verändern, und bessert sich das Beschwerdebild, wenn wir dort behandeln, spricht vieles für einen Anteil aus der Wirbelsäule. Bleibt alles unverändert, obwohl die Wirbelsäule frei ist, suchen wir nicht stur weiter am Nacken, sondern sagen dir, wer der richtige Ansprechpartner ist.

Wie die Behandlung abläuft

Erst die Spannung rausnehmen. Mit den Händen behandeln wir die Muskulatur an Hinterkopf, Nacken und Schultergürtel, auch gezielt an Triggerpunkten. Radiofrequenztherapie, Mikrostrom und Magnetfeldtherapie unterstützen dabei, die Muskelspannung zu regulieren. In sehr empfindlichen Phasen ist Mikrostrom eine Möglichkeit, weil er unterhalb der Reizschwelle arbeitet.

Dann die Gelenke frei machen. Blockierte Kopfgelenke und Wirbelsegmente lösen wir mit sanften, dosierten Mobilisationen. Wir renken nicht ein.

Dann stabilisieren. Die tiefe Nackenmuskulatur, die den Kopf führt, und die Muskeln, die das Schulterblatt halten, bauen wir gezielt auf, damit der Nacken nicht wieder in die Dauerspannung rutscht.

Dann den Alltag anpassen. Pausen, Blickführung am Bildschirm, Arbeitsplatz, Atmung und der Umgang mit Stress.

In einer akuten Attacke brauchen die meisten Ruhe und Dunkelheit, keine Behandlung. Wir arbeiten in den Phasen dazwischen.

Was du selbst tun kannst

  • Führ ein Kopfschmerztagebuch. Wann kommt die Attacke, wie stark ist sie, wie lange dauert sie, was hast du davor gemacht, wie hast du geschlafen? So erkennst du Auslöser, und wir sehen später, ob sich etwas verändert.

  • Wechsle die Position häufiger, statt die perfekte Sitzhaltung zu suchen.

  • Schieb das Kinn sanft nach hinten, als wolltest du ein Doppelkinn machen, halte kurz und lass wieder locker. Das spricht die tiefe Nackenmuskulatur an.

  • Achte auf regelmäßigen Schlaf, genug Flüssigkeit und regelmäßige Mahlzeiten.

  • Plane Pausen ein, bevor sich die Anspannung aufbaut.

Wann du sofort zum Arzt musst

Sofort den Notruf 112, wenn:

  • ein Kopfschmerz plötzlich und extrem heftig einsetzt, so stark wie nie zuvor

  • Lähmungen, Taubheit, Sprach- oder Sehstörungen dazukommen, die du so nicht kennst

  • Kopfschmerz zusammen mit Fieber und Nackensteife auftritt

Zeitnah ärztlich abklären:

  • Kopfschmerz nach einem Sturz oder einem Schlag auf den Kopf

  • eine Aura zum ersten Mal oder eine, die sich anders anfühlt als sonst

  • Kopfschmerzen, die sich in Art oder Häufigkeit deutlich verändern

  • Kopfschmerzen, die erstmals im höheren Alter auftreten

Was du realistisch erwarten kannst

Physiotherapie ersetzt bei Migräne weder die ärztliche Diagnose noch Medikamente. Spielen Nacken, Haltung und Anspannung bei dir mit, kann sie dazu beitragen, dass die Attacken seltener werden oder weniger heftig ausfallen. Ob das so ist, zeigt dein Kopfschmerztagebuch, nicht das Gefühl nach einer guten Woche.

Was wir dafür im Haus haben

Deinen Termin bekommst du über Doctolib oder per WhatsApp an deinen Standort: Kutenhauser Straße oder Stiftsallee in Minden.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Abklärung und keine Untersuchung. Ob dein Nacken bei deinem Kopfschmerz mitspielt, klären wir im kostenfreien Erstgespräch.

 
 
 

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