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Morbus Bechterew: Warum Bewegung die Therapie ist

Autorenbild: Matthias Kranz
Matthias Kranz
vor 5 Tagen
4 Min. Lesezeit

Der Rücken schmerzt tief unten, vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden. Morgens bist du steif, und es dauert, bis du in Gang kommst. Seltsam ist: Bewegung macht es besser, Ruhe macht es schlechter. Genau dieses Muster ist typisch für einen entzündlichen Rückenschmerz, wie er bei Morbus Bechterew vorkommt.

Die kurze Antwort: Morbus Bechterew, medizinisch Spondylitis ankylosans, ist eine chronisch-entzündliche, rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule. Die Diagnose stellt der Arzt, meist der Rheumatologe. Physiotherapie ist ein fester Teil der Behandlung, denn Bewegung ist hier keine Gefahr, sondern die Therapie. Im Schub beruhigen wir die Entzündung, in ruhigen Phasen halten wir Wirbelsäule und Brustkorb beweglich, richten dich auf und stabilisieren den Rumpf. Entscheidend ist die Dosierung: keine Überreizung, aber dauerhafte Aktivierung.

Physiotherapeut mobilisiert den unteren Rücken eines auf dem Bauch liegenden Patienten in der Praxis in Minden
Sanfte Mobilisation von Kreuz-Darmbein-Gelenk und Wirbelsäule, ohne Einrenken und im schmerzfreien Bereich.

Was bei Morbus Bechterew passiert

Bei Morbus Bechterew richtet sich eine fehlgeleitete Immunreaktion gegen Sehnenansätze, Gelenkkapseln und Gelenkflächen. Häufig beginnt es in den Kreuz-Darmbein-Gelenken (ISG) und kann von dort über Lenden- und Brustwirbelsäule bis in die Halswirbelsäule fortschreiten. Betroffen sind meist junge Erwachsene, Männer häufiger als Frauen. Die Erkrankung verläuft in Schüben, mit ruhigeren Phasen dazwischen.

Ohne Behandlung kann die dauerhafte Entzündung die Wirbelsäule nach und nach versteifen. Bewegungsmangel und eine flache Atmung mit wenig Brustkorbbewegung verstärken das. Auch Hüft- und Schultergelenke, Sehnenansätze etwa an der Ferse und die Augen können mitbetroffen sein.

Woran du einen entzündlichen Rückenschmerz erkennst

  • Er beginnt schleichend, oft im jungen Erwachsenenalter.

  • Er sitzt tief und dumpf im unteren Rücken oder im Gesäß.

  • Er ist nachts und am frühen Morgen am stärksten.

  • Die Morgensteifigkeit hält lange an.

  • Bewegung bessert ihn, Ruhe nicht.

Ganz anders der mechanische Rückenschmerz, den die meisten kennen: Er wird unter Belastung schlimmer und in Ruhe besser. Das ist auch für Menschen mit Bechterew wichtig. Nicht jeder Rückenschmerz gehört automatisch zur Erkrankung. Passt der Verlauf nicht zu einem entzündlichen Schmerz, liegt die Ursache häufig woanders, und die suchen wir.

Diagnose beim Arzt, Untersuchung bei uns

Die Diagnose ist ärztlich. Sie stützt sich auf die typischen Beschwerden, auf Blutwerte, bei denen häufig ein bestimmter genetischer Marker (HLA-B27) auffällt, und auf Bildgebung: Das MRT zeigt Entzündungen im Kreuz-Darmbein-Gelenk früh, Röntgenbilder zeigen Verknöcherungen erst später.

Für uns ist die ärztliche Diagnose die Grundlage. Unsere Behandlung richtet sich danach, wie beweglich du bist, wie aktiv die Entzündung gerade ist und ob du in einem Schub steckst. Wir messen die Beweglichkeit deiner Wirbelsäule in alle Richtungen so, dass sich die Werte über Monate vergleichen lassen. Dazu prüfen wir, wie weit sich dein Brustkorb beim Einatmen ausdehnt, wie frei Rippen, Brustwirbelsäule und Kreuz-Darmbein-Gelenke sind und wie tief du atmest. Nach jeder Behandlung testen wir erneut, ob sich Beweglichkeit und Schmerz verändert haben.

Im Schub: die Entzündung beruhigen

  • Mikrostrom ist in dieser Phase unser wichtigstes Werkzeug, mit Programmen, die gezielt entzündungshemmend arbeiten.

  • Magnetfeldtherapie unterstützt den Stoffwechsel im Gewebe.

  • IHHT, das Training über die Atemluft im Liegen, kann den Körper unterstützen, wenn Belastung gerade nicht geht.

  • Sanfte Bewegung im schmerzfreien Bereich, zum Beispiel Katzenbuckel und Pferderücken im Vierfüßlerstand, lieber kurz und häufig als einmal lang.

Was im Schub nicht passiert: keine Mobilisation gegen Widerstand, keine schnellen Impulse, keine Steigerung der Belastung und keine Wärme.

In ruhigen Phasen: beweglich halten, aufrichten, stabilisieren

Beweglichkeit. Kreuz-Darmbein-Gelenke, Brustwirbelsäule und Rippen mobilisieren wir sanft mit den Händen. Wir renken nicht ein, wir mobilisieren ausschließlich.

Atmung. Das Zwerchfell und die Beweglichkeit des Brustkorbs beziehen wir früh mit ein. Atemübungen in die Flanken und in den Bauch helfen, den Brustkorb frei zu halten.

Aufrichtung und Rotation. Im Training kräftigen wir die Muskeln, die dich aufrichten, etwa mit Ruderübungen und Übungen für die Rückseite der Schulter. Dazu kommen Drehbewegungen gegen Widerstand und Übungen, bei denen dein Rumpf einer Drehung standhält.

Rumpfstabilität. Die tiefe Bauch- und Rückenmuskulatur stabilisiert die Wirbelsäule im Alltag.

Begleitend kann Radiofrequenztherapie die Durchblutung und Regeneration unterstützen. Und weil Schübe oft dann kommen, wenn die Belastung zu schnell zu hoch wird, steigern wir erst, wenn Beweglichkeit und Beschwerden auch in den Tagen nach einer Belastung stabil bleiben.

Was du selbst tun kannst

  • Jeden Tag bewegen. Kurze Mobility-Routinen für Brustwirbelsäule und Hüften bringen mehr als eine lange Einheit pro Woche.

  • Atemübungen in die Morgenroutine. So bleibt der Brustkorb beweglich.

  • Haltung und Arbeitsplatz. Wer viel sitzt, wechselt besser oft die Position und richtet den Arbeitsplatz so ein, dass er nicht dauerhaft rund sitzt.

  • Tagesform notieren. Wie geht es dir, wie hast du auf Belastung reagiert? So erkennen wir gemeinsam, was dir guttut und was zu viel war.

  • Dranbleiben, auch wenn es gut läuft. Gerade in ruhigen Phasen legst du die Grundlage für die nächsten Monate.

Was wir bewusst nicht machen

  • keine Stoßwellentherapie, weil sie bei einer systemisch-entzündlichen Erkrankung nicht angezeigt ist

  • kein Einrenken und keine ruckartigen Techniken bis an die Bewegungsgrenze

  • keine Behandlung ohne rheumatologische oder ärztliche Mitbehandlung. Deine Medikamente bleiben Sache deines Arztes.

Wann du ärztlich abklären lassen solltest

  • tief sitzende Rückenschmerzen, die seit Wochen bestehen, nachts stärker werden und durch Bewegung besser, vor allem im jungen Erwachsenenalter

  • ein rotes, schmerzhaftes und lichtempfindliches Auge: zeitnah zum Augenarzt

  • neue Taubheit, neues Kribbeln oder Kraftverlust in Armen oder Beinen

  • Rückenschmerzen nach einem Sturz, auch einem scheinbar harmlosen. Eine versteifte Wirbelsäule ist empfindlicher, als sie sich anfühlt.

Was wir dafür im Haus haben

Deinen Termin bekommst du über Doctolib oder per WhatsApp an deinen Standort: Kutenhauser Straße oder Stiftsallee in Minden.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Abklärung und keine Untersuchung. Wie beweglich deine Wirbelsäule gerade ist und welche Belastung dir guttut, klären wir im kostenfreien Erstgespräch.

 
 
 

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