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Schulterschmerz beim Armheben: Was ist ein Impingement, und was hilft?

Autorenbild: Matthias Kranz
Matthias Kranz
vor 1 Tag
4 Min. Lesezeit

Du hebst den Arm zur Seite, und irgendwo auf dem Weg nach oben sticht es in der Schulter. Über Kopf arbeiten, Haare waschen, ins obere Regal greifen: alles unangenehm. Nachts liegst du ungern auf der Seite. Beim Arzt fällt dann oft das Wort „Impingement“, also Einklemmung.

Die kurze Antwort: Bei einem Impingement werden Sehnen und Schleimbeutel unter dem Schulterdach gereizt, weil der Platz dort zu eng wird. Eng wird er in den meisten Fällen aber nicht, weil der Knochen zu groß ist, sondern weil der Oberarmkopf nicht sauber in der Pfanne zentriert ist und das Schulterblatt nicht richtig mitarbeitet. Genau dort setzt die Behandlung an, und deshalb hilft Schonung allein selten.

Was in der Schulter passiert

Unter dem knöchernen Schulterdach laufen die Sehnen der Rotatorenmanschette und ein Schleimbeutel. Wenn du den Arm hebst, muss der Oberarmkopf in der Pfanne bleiben und das Schulterblatt sich gleichzeitig nach oben drehen. So bleibt unter dem Dach genug Platz.

Steht der Oberarmkopf zu hoch oder zu weit vorne, oder zieht das Schulterblatt nur nach oben, statt sich zu drehen, wird der Raum bei jeder Armbewegung enger. Die Sehnen werden immer wieder gereizt. Der Schmerz entsteht also nicht durch ein einzelnes Einklemmen, sondern durch die dauernde Überlastung einer Schulter, die falsch steht und falsch gesteuert wird.

Woran du es erkennst

  • Schmerz, wenn du den Arm seitlich hebst, typischerweise in einem mittleren Bereich der Bewegung, ganz oben oft wieder weniger

  • Schmerz bei Überkopfarbeit, beim Werfen oder Heben

  • Beschwerden beim Liegen auf der betroffenen Schulter, oft mit schlechtem Schlaf

  • nachlassende Kraft beim Heben des Arms nach vorne und zur Seite

  • Schwäche, wenn du den Arm nach außen drehst

  • manchmal ein Gefühl von Einklemmen oder Hängenbleiben

Meist beginnt es harmlos: Schmerz nur unter Belastung. Wird nichts geändert, kommt er auch bei leichten Tätigkeiten, später nachts und in Ruhe.

Warum es entsteht: die Ursache hinter der Ursache

Die entscheidende Frage ist nicht, ob etwas eingeklemmt ist, sondern warum der Oberarmkopf falsch steht. Die häufigsten Gründe:

  • Schwache Rotatorenmanschette: Die tiefen Schultermuskeln halten den Oberarmkopf nicht mehr zentriert.

  • Schulterblatt arbeitet nicht mit: Der Sägemuskel an der Brustkorbseite ist zu schwach, der obere Nackenmuskel übernimmt zu viel. Das Schulterblatt zieht hoch statt zu drehen.

  • Steife Brustwirbelsäule: Bist du oben rund und kommst kaum in die Aufrichtung, arbeitet die Schulter aus einer schlechten Ausgangsposition.

  • Halswirbelsäule und Rippen: Eingeschränkte Drehung im Nacken oder eine feste erste Rippe bremsen das Schulterblatt.

  • Rumpf und Becken: Fehlt die Stabilität im Rumpf, kommt die Kraft nicht sauber in der Schulter an.

  • Belastung: Viel Überkopfarbeit im Beruf oder Sport, ohne dass die Schulter darauf vorbereitet ist.

Das Schulterblatt ist dabei so etwas wie der Dirigent der Schulter. Arbeitet es nicht sauber, leidet das ganze System, auch wenn der Schmerz ganz woanders sitzt.

Was wir untersuchen

Im Gespräch klären wir, wann es angefangen hat, ob schleichend oder nach einem Ereignis, welche Bewegungen wehtun, ob du nachts Schmerzen hast, ob du Kraft verloren hast und wie viel du im Beruf oder Sport über Kopf arbeitest. Dazu frühere Schulterprobleme und was bisher versucht wurde.

Dann schauen wir uns die Schulter an: Wie stehen Schulter und Schulterblatt in Ruhe, wie bewegt sich das Schulterblatt, wenn du den Arm hebst, wo genau kommt der Schmerz. Wir prüfen die Kraft beim Heben und Drehen im Seitenvergleich und nutzen klassische Schultertests zur Orientierung.

Danach geht der Blick über die Schulter hinaus: Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, Rippen, Haltung und Rumpfstabilität. Röntgen, Ultraschall oder MRT ordnen wir im Zusammenhang mit dem ein, was die Schulter funktionell zeigt.

Wie die Behandlung abläuft

Erst den Schmerz rausnehmen. Nicht durch Ruhigstellen, sondern durch Korrektur. Mit manueller Therapie bringen wir den Oberarmkopf wieder in eine zentrierte Position, mobilisieren Brustwirbelsäule und Rippen und lösen Spannung an Brustmuskel und Nacken. Das Schulterblatt wird früh wieder aktiviert, die tiefen Schultermuskeln arbeiten in sicheren Positionen. Schmerzhafte Bewegungen meidest du vorübergehend, schmerzfreie machst du weiter. Radiofrequenztherapie, Mikrostrom oder Magnetfeld können den Reizzustand zusätzlich dämpfen.

Dann aufbauen. Kraft für das Drehen nach außen, Kraft für das Heben, Kontrolle über das Schulterblatt unter Last. Den schmerzhaften Bewegungsbereich erobern wir uns Schritt für Schritt zurück, bis die volle Bewegung frei ist. Dazu Aufrichtung im oberen Rücken, Rumpfstabilität und am Ende kontrollierte Bewegungen über Kopf.

Dann die Ursache prüfen. Bleibt der Oberarmkopf auch unter Belastung zentriert? Führt das Schulterblatt noch sauber, wenn die Muskeln müde werden? Sind Nacken, Brustwirbelsäule und Rippen frei? Welche Bewegung im Alltag oder Sport hat die Schulter überlastet? Bleibt die Sehne hartnäckig gereizt, kann jetzt auch Stoßwellentherapie dazukommen, nie während einer akuten Entzündung.

Dann dein Ziel. Heben und Tragen ohne Schmerz, Überkopfarbeit im Haushalt und im Beruf, Werfen und Krafttraining im Sport, ruhige Nächte und Vertrauen in die Schulter. Erfolg ist, wenn du die Schulter vergessen kannst, weil sie einfach funktioniert.

Was du selbst tun kannst

  • Schonen ist nicht die Lösung. Wer den Arm wochenlang still hält, riskiert eine steife Schulter.

  • Schmerzhafte Überkopfbewegungen vorübergehend reduzieren, schmerzfreie Bewegung beibehalten.

  • Auf deine Haltung im oberen Rücken achten, gerade bei viel Sitzen.

  • Übungen für Schulterblatt und tiefe Schultermuskeln regelmäßig machen, auch wenn der Schmerz nachlässt.

  • Nicht in den Schmerz hinein trainieren. Ein leichtes Ziehen ist in Ordnung, deutlicher Schmerz nicht.

Wann du nicht warten solltest

Diese Zeichen gehören ärztlich abgeklärt:

  • du verlierst plötzlich deutlich Kraft und kannst den Arm kaum noch heben (Verdacht auf einen Sehnenriss)

  • Lähmungserscheinungen oder Taubheit im Arm

  • die Schulter fühlt sich instabil an, als würde sie herausspringen

  • starke Schmerzen in Ruhe oder nachts, die auf keine Behandlung reagieren

  • die Beschwerden halten trotz guter Behandlung über drei bis vier Monate an

Was passiert, wenn man es laufen lässt

Ein Impingement kann sich festsetzen. Die Sehne verändert sich, der Schleimbeutel bleibt gereizt, im schlechtesten Fall reißt die Sehne teilweise ein. Wird die Schulter zu lange und zu streng geschont, kann sie steif werden. Und oft verlagert sich das Problem: Nacken, oberer Rücken oder Ellbogen übernehmen, was die Schulter nicht mehr schafft.

Bleibt ein Impingement trotz Behandlung hartnäckig, ist die eigentliche Ursache meistens noch nicht gefunden. Werden Oberarmkopf, Schulterblatt und die Kette von Nacken bis Becken in Ordnung gebracht, kann die Schulter bei den meisten wieder frei und belastbar werden.

Was wir dafür im Haus haben

Dieser Beitrag ersetzt keine Untersuchung. Ob bei dir der Oberarmkopf, das Schulterblatt oder die Kette darüber die Ursache ist, klären wir im kostenfreien Erstgespräch.

 
 
 

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