Rheuma und andere Autoimmunerkrankungen: Wie viel Bewegung tut gut?

Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper. Betrifft das Gelenke, Wirbelsäule oder Sehnenansätze, spricht man von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, etwa der rheumatoiden Arthritis, dem Morbus Bechterew oder der Psoriasis-Arthritis. Typisch sind Schmerzen und Steifigkeit, die oft morgens am stärksten sind, Schübe und ruhigere Zeiten dazwischen. Viele Betroffene fühlen sich außerdem schnell erschöpft.
Die kurze Antwort: Bewegung ist bei diesen Erkrankungen keine Gefahr, sondern Teil der Therapie. Entscheidend ist die richtige Dosierung: im Schub beruhigen statt belasten, in ruhigen Phasen Beweglichkeit, Kraft und Stabilität aufbauen. Diagnose und Medikamente gehören zu deinem Rheumatologen, und eine ärztliche Mitbehandlung ist für uns Voraussetzung. Unser Teil ist der Bewegungsapparat: Gelenke, Wirbelsäule, Muskeln, Sehnen und deine Belastbarkeit im Alltag.

Warum Bewegung bei Rheuma so wichtig ist
Wer Schmerzen hat, bewegt sich weniger. Bei entzündlichen Erkrankungen ist genau das ein Problem: Fehlende Bewegung verstärkt die Entzündung im Gewebe, Gelenke und Wirbelsäule werden steifer, Muskeln bauen ab, und auch der Knochen leidet unter der Inaktivität. Regelmäßige, gut dosierte Bewegung hält Gelenke beweglich, kräftigt die Muskulatur, die sie schützt, und kann helfen, einer Versteifung entgegenzuwirken.
Dazu kommt der Kopf. Dauerschmerz bedeutet Dauerstress, und Stress kann die Entzündung im Körper zusätzlich anheizen. Zu erleben, dass Bewegung wieder geht, ist deshalb mehr als ein netter Nebeneffekt.
Im Schub: beruhigen statt belasten
Ist ein Gelenk heiß und geschwollen und die Entzündung aktiv, ändert sich unser Vorgehen:
keine Mobilisation gegen Widerstand, keine schnellen Impulse und keine Steigerung der Belastung
kein Druck und keine tiefen Griffe auf die entzündete Stelle
keine Wärme auf das entzündete Gebiet
sanfte Bewegung nur im schmerzfreien Bereich, lieber kurz und häufig
Verfahren, die den Stoffwechsel im Gewebe unterstützen, ohne zu reizen, allen voran Mikrostrom mit entzündungshemmenden Programmen
In ruhigen Phasen: Beweglichkeit und Kraft aufbauen
Klingt der Schub ab, beginnt der Aufbau. Wir mobilisieren die eingeschränkten Gelenke sanft, kräftigen die Muskulatur, die sie stabilisiert, und arbeiten an der Rumpfstabilität. Ist die Wirbelsäule beteiligt, gehören Aufrichtung, Drehbewegungen und die Beweglichkeit des Brustkorbs dazu. Sind Hände, Knie oder Füße betroffen, arbeiten wir mit gezielten Kraft- und Stabilitätsübungen. Radiofrequenz- und Magnetfeldtherapie können die Regeneration begleiten.
Die Regel dabei: keine Überreizung, aber dauerhafte Aktivierung. Gesteigert wird erst, wenn dein Körper auch in den Tagen nach einer Belastung ruhig bleibt.
Was der Stoffwechsel damit zu tun hat
Chronische Entzündung, Schmerzen und Stress kosten den Körper Energie. Auf Zellebene heißt das: Die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, und die Pumpen in den Zellwänden arbeiten schlechter. Muskeln ermüden schneller, lassen sich schlechter ansteuern, und das Gewebe regeneriert langsamer. Das erklärt auch, warum viele Betroffene so schnell erschöpft sind. Diese Müdigkeit ist kein Zeichen von fehlendem Willen, sondern gehört zur Erkrankung dazu, und wir planen sie bei der Belastung mit ein.
Deshalb setzen wir neben Bewegung auf Verfahren, die genau dort ansetzen: Mikrostrom, Magnetfeldtherapie und das Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training (IHHT), bei dem du im Liegen im Wechsel Luft mit weniger und mehr Sauerstoff atmest. Sie ersetzen keine Bewegung. Sie sollen die Voraussetzungen verbessern, damit Bewegung und Training greifen können.
Was wir bewusst nicht machen
Keine Stoßwelle bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Sie setzt einen gezielten Reiz, und den kann ein entzündetes Gewebe gerade nicht gebrauchen.
Kein Einrenken. Wir arbeiten ausschließlich mit dosierten Mobilisationen.
Nichts an deinem Rheumatologen vorbei. Medikamente und Diagnostik bleiben bei ihm. Was wir in der Behandlung sehen, besprechen wir offen mit dir.
Wie wir den Verlauf im Blick behalten
Jede Behandlung beginnt mit einem Befund und endet mit einem erneuten Test: Beweglichkeit, Schmerz, Schwellung, Kraft. Dazu notierst du deine Tagesform und wie du auf Belastung reagierst. So sehen wir, wenn etwas zu viel war, und passen die Belastung an, bevor daraus ein Schub wird. Bleibt eine Verbesserung aus, schauen wir uns die Dosierung und unsere Annahmen noch einmal an, statt einfach weiterzumachen.
Was du selbst tun kannst
Beweg dich jeden Tag ein bisschen. Kurze Einheiten über den Tag verteilt bringen mehr als eine lange Einheit pro Woche, gerade wenn die Gelenke morgens steif sind.
Hör auf die Tage danach. Nicht das Gefühl während der Übung zeigt, ob es zu viel war, sondern wie es dir am nächsten und übernächsten Tag geht.
Nutz gute Phasen für den Aufbau, aber reiz sie nicht aus. Wer in einer ruhigen Phase alles nachholt, provoziert leicht den nächsten Schub.
Achte auf Schlaf und Ernährung. Regelmäßiger Schlaf und ausreichend Eiweiß und Energie sind die Grundlage, damit sich Gewebe erholen und Muskulatur aufbauen kann.
Bleib im Austausch mit deinem Rheumatologen, vor allem wenn sich deine Medikamente ändern oder ein Schub nicht abklingt.
Woran du denken solltest, wenn noch keine Diagnose da ist
Manche Zeichen sprechen dafür, dass hinter Gelenk- oder Rückenschmerzen eine entzündliche Erkrankung stecken könnte. Lass sie ärztlich abklären, am besten rheumatologisch:
mehrere Gelenke sind geschwollen, oft auf beiden Seiten
eine lange Morgensteifigkeit, die sich erst nach einiger Zeit in Bewegung löst
tief sitzende Rückenschmerzen, die nachts stärker werden und durch Bewegung besser
Fieber, Abgeschlagenheit oder ein allgemeines Krankheitsgefühl zusammen mit Gelenkbeschwerden
ein Gelenkerguss ohne erkennbaren Auslöser
Zeigt sich so etwas bei uns in der Untersuchung, sagen wir dir das offen und schicken dich zur Abklärung.
Sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme gehört ein plötzlich heißes, stark geschwollenes und sehr schmerzhaftes Gelenk mit Fieber.
Was wir dafür im Haus haben
Passend dazu: Morbus Bechterew: Warum Bewegung die Therapie ist und Long Covid: Was Physiotherapie bei Erschöpfung und Belastungsintoleranz leisten kann
Deinen Termin bekommst du über Doctolib oder per WhatsApp an deinen Standort: Kutenhauser Straße oder Stiftsallee in Minden.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Abklärung und keine Untersuchung. Wie viel Bewegung dir gerade guttut, klären wir im kostenfreien Erstgespräch.



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