Long Covid: Was Physiotherapie bei Erschöpfung und Belastungsintoleranz leisten kann

Der Infekt ist Wochen oder Monate her, aber dein Körper kommt nicht zurück. Eine Treppe fühlt sich an wie ein Berglauf, der Kopf ist nach einer Stunde Arbeit leer, und der Schlaf erholt nicht. Besonders zermürbend: Nach einem guten Tag, an dem du endlich wieder mehr gemacht hast, folgt ein Einbruch, der dich für Tage zurückwirft. So beschreiben viele Betroffene Long Covid.
Die kurze Antwort: Long Covid gehört zuerst ärztlich abgeklärt, weil hinter Erschöpfung und Atemnot auch andere Ursachen stecken können. Danach kann Physiotherapie dich begleiten, aber anders, als viele erwarten: nicht mit einem Trainingsplan, der Woche für Woche steigert, sondern mit einer Belastung, die sich nach deinem Körper richtet. Dazu kommen Verfahren, die ohne Anstrengung auskommen, zum Beispiel das Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training (IHHT) im Liegen. Ein Heilversprechen bekommst du von uns nicht. Was du bekommst, ist ein Weg, auf dem wir messen, ob sich etwas tut.

Warum „einfach mehr trainieren“ nach hinten losgehen kann
Nach einer Verletzung ist die Regel klar: Belastung dosiert steigern, der Körper passt sich an. Bei Long Covid gilt diese Regel nicht für jeden. Viele Betroffene reagieren auf Anstrengung mit einer deutlichen Verschlechterung, oft erst am nächsten oder übernächsten Tag. Wer dann nach Plan weiter steigert, rutscht immer tiefer in diesen Kreislauf.
Deshalb drehen wir die Reihenfolge um: erst den Körper stabilisieren, dann belasten. Eine Zelle kann nur leisten, was ihr Energiehaushalt zulässt. Solange der nicht mitspielt, bringen weder Krafttraining noch intensive Behandlungen das, was du dir von ihnen erhoffst.
Was hinter der Erschöpfung stecken kann
Was bei Long Covid im Körper genau passiert, ist noch nicht vollständig verstanden. Eine Ebene, auf die wir schauen, ist der Energiestoffwechsel der Zellen. Die Mitochondrien, die Kraftwerke jeder Zelle, liefern die Energie für Muskelarbeit, Nervenleitung und Regeneration. Arbeiten sie nach Entzündung, Stress oder langer Inaktivität schlechter, kann sich das genau so anfühlen: Du ermüdest schnell, Muskeln lassen sich schwer ansteuern, die Grundspannung ist hoch, und es tut weh, ohne dass etwas kaputt ist.
Das erklärt nicht jeden Fall. Es erklärt aber, warum Erschöpfung kein Zeichen von fehlendem Willen ist und warum Durchbeißen selten weiterhilft.
Was wir im Erstgespräch klären
Am Anfang steht deine Geschichte: Wann haben die Beschwerden begonnen, nach einem Infekt oder nach einer Impfung? Was hat sich seitdem verändert, was kostet dich am meisten Energie, wie schläfst du? Welche ärztlichen Befunde gibt es schon?
Passen Schlaf, Erholung und Belastbarkeit nicht zusammen, messen wir die Herzratenvariabilität (HRV). Sie zeigt, wie gut dein Nervensystem zwischen Anspannung und Erholung wechselt. Der erste Wert ist dein Ausgangspunkt, an dem wir später den Verlauf ablesen. Dazu kommt die 3D-Körperanalyse als objektive Grundlage für Haltung und Muskulatur.
IHHT: ein Reiz über die Atemluft statt über Anstrengung
Bei der IHHT liegst oder sitzt du und atmest über eine Maske im Wechsel Luft mit weniger und mit mehr Sauerstoff. Das Prinzip kennt man aus dem Höhentraining von Profisportlern, nur dass du dich dabei nicht bewegst. Sauerstoffsättigung und Puls werden die ganze Zeit gemessen und steuern den Wechsel mit. Ziel ist, den Energiestoffwechsel der Zellen zu trainieren, ohne den Körper körperlich zu belasten. Genau deshalb passt das Verfahren in Phasen, in denen Training noch nicht geht.
Ehrlich gesagt: Die Studienlage zur IHHT ist begrenzt, gerade bei Long Covid. Wir setzen sie als einen Baustein ein und beurteilen den Verlauf an Dingen, die sich messen lassen. Wie viel Alltag verträgst du? Wie schnell bist du nach einer Belastung wieder da? Wie entwickelt sich die HRV? Tut sich an diesen Punkten nichts, hören wir damit auf.
Vor der ersten Anwendung klären wir, ob etwas dagegen spricht. Bei Herz- oder Lungenerkrankungen, unbehandeltem Bluthochdruck, akuten Infekten und in der Schwangerschaft fangen wir ohne ärztliche Abklärung nicht an. Und wer sich während der Anwendung unwohl fühlt, bricht ab, sofort und ohne Diskussion.
Wie wir Belastung aufbauen
Deine Grenze finden. Gemeinsam schauen wir, wie viel Belastung du verträgst, ohne dass am nächsten Tag der Einbruch kommt. Diese Grenze ist der Maßstab, nicht ein Plan auf dem Papier.
Unter der Grenze bleiben. Lieber kürzer und häufiger als einmal zu viel. Pausen planen wir ein, bevor du sie brauchst.
Erst steigern, wenn es hält. Bleiben die Tage nach einer Belastung stabil, legen wir vorsichtig etwas drauf. Kommt ein Einbruch, gehen wir einen Schritt zurück.
Regeneration unterstützen. Mikrostrom setzen wir ein, um die Regeneration auf Zellebene zu unterstützen. Verspannungen in Nacken und Rücken, die oft mitlaufen, behandeln wir mit den Händen.
Atmung einbeziehen. Atemübungen und eine freie Beweglichkeit von Brustkorb und Zwerchfell gehören mit dazu.
Was du selbst tun kannst
Führ ein Energietagebuch. Was hast du gemacht, wie ging es dir am Tag danach? Nach ein paar Wochen erkennst du Muster, die dir und uns helfen.
Nutz gute Tage nicht voll aus. Genau sie verleiten dazu, zu viel zu machen.
Schlaf regelmäßig. Feste Zeiten und weniger Störfaktoren am Abend helfen der Erholung.
Iss ausreichend. Wer dem Körper zu wenig Energie zuführt, hat auch weniger zur Verfügung.
Sprich mit deinem Arzt, bevor du etwas Neues ausprobierst, gerade bei Herz- oder Lungenbeschwerden.
Wann du sofort Hilfe brauchst
Sofort den Notruf 112 bei:
Atemnot in Ruhe oder plötzlich zunehmender Atemnot
Schmerzen oder Druck in der Brust
Herzrasen mit Schwindel oder Ohnmacht
neuen Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen
Zeitnah ärztlich abklären lassen solltest du Fieber, ungewollten Gewichtsverlust und Beschwerden, die sich deutlich verschlechtern.
Was Physiotherapie bei Long Covid leisten kann und was nicht
Physiotherapie ersetzt weder die ärztliche Behandlung noch die Abklärung in einer spezialisierten Ambulanz. Sie kann dir helfen, deine Belastung so zu steuern, dass du wieder Boden unter die Füße bekommst, deinen Körper mit Verfahren unterstützen, die ohne Anstrengung auskommen, und deine Belastbarkeit Schritt für Schritt zurückholen. Wie schnell das geht, kann dir vorher niemand seriös sagen. Wir sagen dir unterwegs ehrlich, wo du stehst.
Was wir dafür im Haus haben
Passend dazu: Rheuma und andere Autoimmunerkrankungen: Wie viel Bewegung tut gut? und Ist es normal, dass es nach der Physiotherapie wehtut?
Deinen Termin bekommst du über Doctolib oder per WhatsApp an deinen Standort: Kutenhauser Straße oder Stiftsallee in Minden.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Abklärung und keine Untersuchung. Wo du gerade stehst und welche Belastung dir guttut, klären wir im kostenfreien Erstgespräch.



Kommentare